Upper header

Startseite



Aspekte der fernöstlichen Medizin und ganzheitlichen Lehre

Verfasst von Pascal am 18. Januar 2009 - 18:01.

Wie auch hier im Forum wiederholt angesprochen, gibt es in fernöstlichen Ländern eine andere, differenziertere Tradition der Heilkunde und der Lehre von den möglichen Heilungswegen. Früher, bis vor 50 Jahren etwa, gab es in China z.B. nur in den größeren Provinzen medizinische Zentren, wie Hospitäler und ähnliche Einrichtungen. Die Menschen dort waren daher auf sich selbst und ihre traditionelle, überlieferte Form der Heilslehren angewiesen. Wenn man sich z.B. den Magen verdorben hatte, nahm man nicht gleich ein Medikament, was ja auch nicht zur Hand war, sondern versuchte mit einfachen Methoden, wie Fasten und Heilkräutern diese Beeinträchtigung zu überwinden. Auuserdem wurde betont darauf geachtet und galt als selbstverständlich, ein achtsames und regelmässiges, wie gelassenes Leben zu führen. Fern ab von der Hetze und dem Stress der Industriegesellschaften, ein Phänomen, daß weite Teile des Fernen Ostens inzwischen auch eingeholt hat, kann man dort auf eine lange und ehrwürdige Tradition einer ganzheitlichen Betrachtung des Menschens zurückblicken.

  • Schon Konfuzius vermittelt vor mehr als 2000 Jahrn eine Haltung, in der es eher darum ging, den Geist und den Körper zu schützen und zu bewahren. Nichts sollte unternommen werden, was den Körper verletzen könnte, weder Haut noch Haare. Aspekte der non invasiven, traditionellen chinesischen Medizin haben u.a. in dieser Sicht ihre Wurzeln. Diese chinesische Medizin erkannte also recht früh, daß es eine Beziehung zwischen Körper, Geist und Seele gibt, was durch Form (Jing), Funktion (Qi) und Geist (Shen) ausgedrückt wurde. Weiterhin waren diese Ansichten und Leeren tief verwurzelt und wurden auch von Laien praktiziert, Wissen um die Heilkunde wurde als eine im Alter zu erlagende, in der Praxis erfahrbare Form von Lebenskunst angesehen.
  • Inzwischen sind viele Aspekte der traditionellen und fernöstichen Medizin in Vergessenheit geraten, aber in China hat man immer Wert darauf gelegt, gewisse Praktiken, wie Tai Chi oder Qigong auch in den Unterricht der Schulen zu integrieren. Viele Chinesen haben sich heutzutage jedoch erst wieder an ihre ureigenen Methoden erinnert, wenn sie selber körperliche Beeinträchtigungen verspürten. Traditionelle Medizin wurde in den letzten Jahrzehnten aber weitgehend in eine neue Behandlungsform integriert, die auch westliche Methoden, die mehr an Parameter und Technik orientiert sind, einschließen. In Vietnam und Korea wird diese Kombination beider Formen der Medizin symbolisiert durch die optische Verschmelzung der Kanülenspritze mit dem Yin/ Yang Symbol. Viele Formen der traditionellen chinesischen Medizin, wie die Akupunktur oder Akupressur, haben inzwischen ebenso im Westen, nach Jahren der Skepsis, überzeugte Anhänger wie Anwender gefunden.
  • Die an den Prinzipien der Naturkräfte und Einflüsse des Kosmos allgemein orientierte fernöstliche Medizin hatte bisweilen okkulten Charakter und wurde deshalb auch im Westen mit einem Misstrauen gegen angeblichen Aberglaube und Dämonenkult belegt. Trotzdem wird die mehr holistische, ganzheitliche Angehensweise an den menschlichen Körper, die bemüht ist, Konstitution der Menschen und Wurzeln ihrer Erkrankungen gemeinsam zu betrachten, inzwischen auch dank ihrer Resultate geschätzt. Davon abgeleitet haben andere wertvolle Teile dieser ganzheitlichen Lehre, wie die Praxis des Feng Chui nach un nach im Westen interessierte Adepten gefunden.
  • Wichtig für eine gesundheistfördernde Konstitution sollte in diesem Zusammenhang auch die gesunde und rechte Lebensführung genannt werden. Dies ist besonders in spirituell orientierte Lehren wie Taoismus, Buddhismus und etwa der daraus abgeleitete, japanische Bushido - Praktik zu erkennen. Der ideale Mensch wird anhand dieser Lehren bisweilen als heilige Buddhanatur, oder "Shong Jen" bezeichnet, jener der sich im Einklang mit dem Tao, dem Weg, Gott, dem Sein und der Vernunft befindet.
  • Attribute des Menschen der sich in diese Richtung entwickeln mag, sind ein innerliches Wachstum, begleitet von Klarheit und Weisheit, verbunden mit unbedingter Güte und Freundlichkeit zu allen Wesen. Der selbstbewusste aber gleichzeitig selbstlose Mensch strebt danach, seiner niederen Triebregungen zu überwinden und durch Achtsamkeit und Wachsamkeit geleutert, ein harmonisches Leben im Einssein mit Allem bis zu dem ihm bewussten und akzeptierten Tod zu führen.
  • Die schon benannte Lehre des japanischen Bushido bietet zu den oben benannten Prinzipien eine erstaunlich klare und nachvollziehbare Anleitung. Bushido, ursprünglich eine Lehre der japanischen Mönche und Samurai, ist so angelegt, daß mit ihr ein sittliches Verhalten gegenüber den Menschen geregelt wird, welches seine Grundlage in der buddhistsichen Religion hat. Gemäß dem Tao besteht auch nach chinesischer Auffassung für den Menschen das richtige und sinnvolle Verhalten in einem ausbalanvcierten Verhalten gegenüber den Gegensätzen des Daseins. Die verschiedenen Triebe, die unser Leben lenken, lassen sich grundsätzlich auf Yang, als das Heiße, Feurige, Lichte und in die Weite Strebende zurückführen, wie Yin alles Kalte, Feuchte, Dunkle, erdgebundende, nach Unten drängenden symbolisiert. Yin ist daher das Weiblich Passive, wie Yang das Männliche Aktive Element. Da nun beide Kräfte nicht gleichmässig in der Welt verteilt seien, entsprechen diese ebenfalls dem unvollkommenen Handeln der Menschen. Ein jeder lebe also besser dem Maß und der Art der ihn umschliessenden Kräfte und möge sich den Bedingungen des Kreislaufs der Natur anpassen. Daher besteht die wichtigste Lebensregel in der Forderung nach einem passenden Verhalten und Betragen in der Harmonie mit dem Gesamtleben in der Natur. Ein positiv orientiertes Mitschwingen mit den großen Strömungen der Welt bedingt daher erfolgreiche und harmonische Wirkungen, wie ein sich stemmen gegen diese Gesetze des Daseins fatale Folgen beinhaltet.
  • Besondere Regeln des Bushido, die besonders im abendländischen Zusammenhang nur etwa von Geistesgrößen und Philosophen in Erwägung gezogen und beachtet wurden, werden in z.B. Japan sorfältig beachtet. Die meisten Japaner, gleichgültig welcher gesellschaftlichen Klasse oder Situation bemühen sich, dieser Lehre des guten Tons gerecht zu werden. Als Beispiel zu nennen wären die folgenden Prinzipien:
  • Nirgends das Schlechte zu sehen, niemals zu tadeln, keine ungünstigen Ereignisse zu erwähnen, nichts abfällig zu kritisieren, alles irgendwie unliebsame, mündlich wie schriftlich vollkommen zu ignorieren. Dies auf unsere heutige Medienwelt übertragen hätte, durchgehend angewandt, sicher weitreichende, wie positive Konsequenzen. Leicht lässt sich auch an diesen skizzenhaft vorgetragenen Leitideen ablesen, wie sehr asiatische Völker vom westlichen Lebensstil und der in ihm gefangenen, ungezügelten Lebensart befremdet sind. Bushido rät auch in hoffnungslosen und tiefgreifenden Situationen stets dazu, nur heitere, freundliche und höfliche Worte zu sprechen. Was bei uns oft als gehemmtes und maskenhaftes Verhalten der Asiaten gewertet wird, ist so eher als ein hochstehendes Regelwerk zu verstehen, was dem Zusammenleben der Menschen mehr zuträglich ist als das oftmals in Westen vertraute Klagen, Zanken und Kritteln. Was nun faktisch unser Miteinander höchst belastet und nervenschädigend wie negative Auswirkungen zeitig, die letztendlich zu den krankmachenden Faktoren unserer Lebensart zu zählen sind.
  • So besehen ist die im kurzen Überblick vorgestellte asiatische Herangehensweise an heilsame Prozesse sicher auch gewinnbringend und fördernd für die Problemlagen und die oft hausgemachte Gesundheitssituation des Westens.
3
Durchschnittlich: 3 (1 Bewertung)


Feedback